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Airless oder Aircoat? Die beiden Hochdruck-Verfahren verständlich erklärt

Wenn größere Flächen oder höhere Stückzahlen ins Spiel kommen, stoßen klassische Becherpistolen irgendwann an ihre Grenzen. Dann fällt schnell der Begriff Hochdruck-Spritzgerät – und mit ihm zwei Ausstattungsvarianten: Airless und Aircoat. Beide arbeiten mit einer Pumpe, die das Material unter hohem Druck durch eine Düse presst. Der Unterschied liegt im Detail, hat aber großen Einfluss auf Oberflächenqualität, Materialverbrauch und Anschaffungskosten.

Gerade für Tischlereien und Metallbetriebe, die gelegentlich größere Mengen verarbeiten, lohnt sich der Blick auf die Unterschiede. Dieser Beitrag erklärt aus Sicht der Lackiertechnik, wie Airless und Aircoat funktionieren, worin sie sich unterscheiden und welche Variante zu welchem Betrieb passt.

Wie funktioniert Airless?

Airless heißt übersetzt „ohne Luft“ – und genau das beschreibt das Verfahren. Beim Airless-Verfahren arbeiten Sie mit einem einzigen Materialschlauch. Eine Pumpe baut einen sehr hohen Materialdruck auf und presst den Lack durch eine feine Düse. Allein durch diesen Druck wird das Material zerstäubt, ganz ohne zusätzliche Zerstäuberluft.

Das hat klare Vorteile: Airless fördert große Materialmengen in kurzer Zeit, kommt auch mit zähen Materialien wie Grundierungen, Füllern oder dickschichtigen Beschichtungen zurecht und benötigt keinen Kompressor. Auch in der Anschaffung ist ein Gerät in Airless-Ausstattung in der Regel günstiger als dasselbe Gerät mit Aircoat-Ausstattung.

Der Preis dafür: Die reine Druckzerstäubung erzeugt einen vergleichsweise harten Spritzstrahl mit ausgeprägten Rändern und mehr Sprühnebel. Es landet also nicht so viel Lack auf der Oberfläche, der Materialverbrauch ist höher, und die Zerstäubung ist gröber als bei luftunterstützten Verfahren. Für viele Aufgaben ist das völlig ausreichend – wo es aber auf das feinste Finish ankommt, kommt Aircoat ins Spiel.

Wie funktioniert Aircoat?

Aircoat ist die luftunterstützte Weiterentwicklung des Airless-Verfahrens. Hier arbeiten Sie mit einem Doppelschlauch – einer für das Material, einer für die Luft. Das Gerät ist zusätzlich mit einer Druckregeleinheit sowie einer Aircoat-Pistole mit Zerstäuberkopf und Düse ausgestattet, und Sie benötigen einen Kompressor.

Das Prinzip: Der Materialdruck wird gegenüber dem reinen Airless deutlich reduziert, und zusätzliche Luft formt und verfeinert den Spritzstrahl. Diese Kombination zerstäubt den Lack feiner und sorgt für weiche Strahlränder statt der harten Kanten des Airless-Strahls. Das Ergebnis ist eine spürbar höhere Oberflächenqualität – und weil weniger Material als Nebel verloren geht, eine wesentlich höhere Übertragungsrate. Unterm Strich bedeutet das eine enorme Materialersparnis.

Die weichen Strahlränder haben noch einen praktischen Nebeneffekt: Sie lassen sich beim Überlappen der Spritzbahnen leichter gleichmäßig ansetzen, was sauberere Übergänge und ein ruhigeres Gesamtbild ergibt. Dem gegenüber stehen die höheren Anschaffungskosten – durch Kompressor, Druckregelung und die aufwendigere Pistole.

Der Kern in einem Satz

Airless zerstäubt allein über den Materialdruck. Aircoat nimmt etwas Druck heraus und ergänzt unterstützende Luft – für ein feineres Spritzbild, weniger Overspray und mehr Materialersparnis, dafür mit Kompressor und höheren Anschaffungskosten.

Airless und Aircoat im direkten Vergleich

Merkmal Airless Aircoat
Zerstäubung allein über Materialdruck Materialdruck plus unterstützende Luft
Schlauch Einzelschlauch (Material) Doppelschlauch (Material und Luft)
Kompressor nötig nein ja
Anschaffungskosten günstiger höher
Zerstäubung / Finish gröber, harter Strahlrand feiner, weiche Strahlränder
Overspray / Farbnebel höher geringer
Materialübertragungsrate niedriger deutlich höher
Materialverbrauch höher geringer (Materialersparnis)
Stärken hoher Durchsatz, zähe Materialien, kein Kompressor hohe Oberflächenqualität, sparsam im Material

Welche Variante passt zu meinem Betrieb?

Die Entscheidung lässt sich an wenigen Fragen festmachen:

  • Wie wichtig ist die Oberflächenqualität? Geht es um sichtbare, hochwertige Oberflächen – feine Möbelteile, glänzende Decklacke im Metallbau –, spielt Aircoat seine feine Zerstäubung aus. Bei Grundierungen, Füllern, Unterböden, Korrosionsschutz oder Flächen, die später nicht im direkten Blickfeld liegen, reicht Airless meist völlig aus.
  • Wie viel Material verarbeite ich? Wer regelmäßig große Mengen spritzt, profitiert bei Aircoat von der höheren Übertragungsrate: Die Materialersparnis kann die höheren Anschaffungskosten über die Zeit ausgleichen. Wer dagegen nur gelegentlich und in kleineren Mengen lackiert, fährt mit der günstigeren Airless-Ausstattung oft wirtschaftlicher.
  • Habe ich einen Kompressor? Aircoat setzt eine Druckluftversorgung voraus. Ist bereits ein passender Kompressor vorhanden, fällt diese Hürde weg. Wer keinen hat und auch keinen anschaffen möchte, ist mit Airless flexibler.
  • Welche Materialien spritze ich? Zähere, dickschichtige Materialien sind die klassische Domäne von Airless. Für feine Lacke mit hohem Qualitätsanspruch ist Aircoat die bessere Wahl.

Für viele Betriebe ist die Faustregel hilfreich: Airless, wenn Durchsatz, zähe Materialien und ein günstiger Einstieg im Vordergrund stehen – Aircoat, wenn Oberflächenqualität und Materialersparnis bei größeren Mengen den Ausschlag geben.

Einordnung: Hochdruck oder Becherpistole?

Airless und Aircoat sind Hochdruck-Verfahren für höheren Durchsatz und größere Flächen. Davon abzugrenzen sind die druckluftbetriebenen Becherpistolen mit HVLP- oder LVLP-Technologie, die mit einem Materialbecher direkt an der Pistole arbeiten. Becherpistolen sind ideal für kleinere Mengen, Detailarbeiten und feinste Oberflächen bei überschaubarem Materialvorrat. Hochdruck-Geräte spielen ihre Stärke dagegen aus, sobald viel Fläche und größere Materialmengen zusammenkommen. Aircoat schlägt dabei gewissermaßen die Brücke: Hochdruck-Durchsatz kombiniert mit einer Zerstäubungsqualität, die der einer guten Becherpistole nahekommt.

Sicherheitshinweis: Hochdruck ernst nehmen

Beide Verfahren arbeiten mit sehr hohem Materialdruck. Ein austretender Strahl kann die Haut durchdringen und schwere Injektionsverletzungen verursachen – ein medizinischer Notfall, auch wenn die Wunde harmlos aussieht. Entlasten Sie vor jeder Arbeit am Gerät immer zuerst den Druck, sichern Sie die Pistole und richten Sie sie niemals auf Hände, Körper oder andere Personen. Dieser Punkt gilt für Airless wie für Aircoat gleichermaßen.

Praxistipps für Auswahl und Betrieb

  • Düsengröße passend wählen. Sie bestimmt Materialmenge und Spritzbreite. Zähe Materialien und große Flächen brauchen eine andere Düse als feine Decklacke – im Zweifel lohnt sich eine kurze Beratung.
  • Filter sauber halten. Saug-, Hochdruck- und Pistolenfilter beeinflussen das Spritzbild direkt. Verstopfte Filter führen zu Aussetzern und ungleichmäßigem Auftrag.
  • Bei Aircoat auf saubere Druckluft achten. Wasser- und Ölabscheider gehören in die Druckluftleitung, sonst leidet die Oberfläche.
  • Nach jedem Einsatz gründlich reinigen. Hochdruck-Geräte danken die konsequente Pflege mit langer Lebensdauer und gleichbleibendem Spritzbild – und Pumpe wie Ventile bleiben gangbar.

Airless und Aircoat sind also keine Gegensätze, sondern zwei Ausstattungen für unterschiedliche Anforderungen. Wer weiß, wie wichtig ihm Oberflächenqualität, Materialersparnis und Anschaffungskosten sind und ob ein Kompressor vorhanden ist, findet schnell die passende Variante.

Gern beraten wir Sie dazu, welches Farbspritzgerät und welche Ausstattung am besten zu Ihren Materialien, Ihren Werkstücken und Ihrem Betrieb passt.

Häufige Fragen (FAQ)

Airless zerstäubt den Lack allein über den hohen Materialdruck der Pumpe. Aircoat reduziert diesen Druck und ergänzt zusätzliche Luft, die den Strahl feiner zerstäubt und die Ränder weicher macht. Das ergibt eine höhere Oberflächenqualität und weniger Overspray.

Nein. Reines Airless arbeitet ohne Zerstäuberluft und benötigt daher keinen Kompressor. Aircoat dagegen setzt eine Druckluftversorgung voraus, weil die unterstützende Luft über einen Kompressor bereitgestellt wird.

Aircoat. Durch die feinere Zerstäubung und den geringeren Sprühnebel landet mehr Lack auf dem Werkstück, die Übertragungsrate ist deutlich höher. Bei größeren Mengen kann diese Materialersparnis die höheren Anschaffungskosten über die Zeit ausgleichen.

Bei Grundierungen, Füllern, dickschichtigen Beschichtungen, Korrosionsschutz oder Flächen, die später nicht im direkten Blickfeld liegen. Auch wer nur gelegentlich und in kleineren Mengen spritzt oder einen günstigen Einstieg sucht, ist mit Airless gut bedient.

Es kommt auf die Aufgabe an. Becherpistolen sind ideal für kleinere Mengen, Detailarbeiten und feinste Oberflächen. Aircoat verbindet hohen Durchsatz mit feiner Zerstäubung und ist deshalb vor allem dann interessant, wenn größere Flächen in hoher Qualität beschichtet werden sollen.

Der hohe Materialdruck kann bei direktem Kontakt zu schweren Injektionsverletzungen führen. Entlasten Sie vor jeder Arbeit am Gerät zuerst den Druck, sichern Sie die Pistole und richten Sie sie nie auf Personen. Das gilt für Airless und Aircoat gleichermaßen.

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