Fehlerbehebung
Randstreifen beim Lackieren vermeiden
Uwe Marx
Ratgeber & Wissen · 5 Min. Lesezeit
Sie kennen das vielleicht: Das Werkstück ist sauber vorbereitet, der Lack ist angerührt, und nach dem Spritzen zeigt die Oberfläche statt eines gleichmäßigen Films plötzlich Streifen – mal dunkler, mal heller, mal mit fühlbar dickeren Materialkanten. Diese sogenannten Randstreifen gehören zu den häufigsten Oberflächenfehlern beim Spritzlackieren, und sie ärgern vor allem Betriebe, die nicht täglich an der Pistole stehen.
Die gute Nachricht aus Sicht der Lackiertechnik: Randstreifen haben fast immer eine klar benennbare Ursache, und die meisten davon lassen sich mit wenigen Handgriffen abstellen. In diesem Beitrag erfahren Sie, was Randstreifen genau sind, woran Sie sie erkennen, und wie Sie sie als Gelegenheitslackierer im Tischler- oder Metallbetrieb zuverlässig vermeiden.
Was sind Randstreifen eigentlich?
Als Randstreifen bezeichnet man streifenförmige, ungleichmäßige Farbablagerungen, die entstehen, wenn das Spritzbild nicht gleichmäßig aufgebaut ist. Eine Spritzpistole erzeugt einen flachen Sprühfächer – idealerweise mit gleichmäßiger Materialverteilung über die gesamte Breite. Stimmt dieses Spritzbild nicht, lagert sich an den Rändern des Fächers zu viel oder zu wenig Material ab. Zieht man dann Bahn neben Bahn, summieren sich diese Ungleichmäßigkeiten zu sichtbaren Streifen.
Typische Erkennungsmerkmale sind:
- regelmäßige helle und dunkle Streifen im Abstand der gespritzten Bahnen
- fühlbar dickere Materialkanten an den Übergängen
- ein „rissiges“ oder zweigeteiltes Spritzbild, wenn man auf Karton vorspritzt
Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Fehlern: Läufer (Nasen) entstehen durch zu viel Material an einer Stelle, Wolkenbildung durch falsche Pistolenführung beim Metallic-Lack, und Orangenhaut durch zu trockenen Auftrag oder zu hohe Viskosität. Randstreifen dagegen sind in erster Linie ein Problem des Spritzbildes und der Bahnführung.
Warum das Thema gerade für Holz- und Metallbetriebe wichtig ist
Wer nur gelegentlich lackiert, hat es schwerer als der Vollzeit-Lackierer – nicht wegen mangelnden Könnens, sondern weil die Routine fehlt und die Ausrüstung zwischen den Einsätzen oft länger steht. Genau dann setzen sich Düsen zu, trocknen Materialreste in der Luftkappe an, und die Pistole läuft beim ersten Spritzgang nicht sauber.
Hinzu kommt der Untergrund. Holz ist saugend, arbeitet mit der Maserung und verlangt meist mehrere Schichten – Unregelmäßigkeiten fallen hier zwar weniger sofort auf, summieren sich aber über die Lackaufbauten. Metall dagegen ist glatt und nicht saugend und zeigt jeden Fehler im Spritzbild gnadenlos, gerade bei glänzenden Decklacken. In beiden Fällen handelt es sich oft um Sichtflächen mit hohem Qualitätsanspruch, bei denen Nacharbeit teuer ist. Es lohnt sich also, die Ursachen zu kennen.
Gerätebedingte Ursachen – und wie Sie sie beheben
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Düse verstopft oder beschädigt
Die Materialdüse ist das Herzstück der Pistole. Sitzt hier eingetrockneter Lack oder ein Schmutzpartikel, wird der Materialfluss einseitig gestört und der Fächer kippt – ein klassischer Auslöser für Randstreifen. Prüfen Sie die Düse bei Tageslicht auf Ablagerungen und Beschädigungen. Reinigen Sie sie ausschließlich mit der passenden Reinigungsnadel oder weicher Bürste und niemals mit Draht oder Metallgegenständen, die die feine Bohrung dauerhaft beschädigen.
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Zerstäuberkopf (Luftkappe) verschmutzt
Die seitlichen Hörner der Luftkappe formen mit ihren Luftbohrungen den flachen Fächer. Ist auch nur eine dieser Bohrungen zugesetzt, wird der Fächer unsymmetrisch und das Material ungleichmäßig zerstäubt. Lösen Sie eingetrocknete Reste in geeignetem Reiniger an und reinigen Sie die Bohrungen vorsichtig. Ein einfacher Test: Drehen Sie die Luftkappe um 180 Grad. Wandert der Fehler im Spritzbild mit, liegt es an der Kappe; bleibt er, ist eher die Düse oder das Material schuld.
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Material zu dick eingestellt
Ist der Lack zu zähflüssig, kann ihn die Pistole nicht mehr sauber zerstäuben – das Material reißt am Fächerrand auf und bildet Streifen. Verdünnen Sie nach Herstellerangabe und kontrollieren Sie die Viskosität mit einem Auslaufbecher. Gerade bei kühlem Material aus dem Lager wird dieser Punkt oft unterschätzt.
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Pistolenfilter verstopft
Viele Pistolen haben einen kleinen Filter am Materialeingang. Setzt sich dieser zu, kommt schlicht zu wenig Material an, und der Auftrag wird dünn und streifig. Kontrollieren und reinigen Sie den Filter regelmäßig – bei Gelegenheitslackierern ist er erstaunlich oft die unscheinbare Fehlerquelle.
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Zerstäuberluft zu niedrig eingestellt
Reicht der Luftdruck nicht aus, wird das Material zu grob zerstäubt und der Fächer baut sich nicht gleichmäßig auf. Drehen Sie die Zerstäuberluft schrittweise höher und beobachten Sie das Spritzbild. Orientieren Sie sich dabei immer an den Vorgaben Ihrer Pistole und des Lackherstellers, statt einfach „voll aufzudrehen“ – zu viel Druck führt wiederum zu Trockenspritzern und Overspray.
Anwendungsbedingte Ursachen – der unterschätzte Hebel
Aus meiner Erfahrung entstehen die meisten Randstreifen bei Gelegenheitslackierern gar nicht durch die Technik, sondern durch die Pistolenführung. Diese Punkte machen den größten Unterschied:
- Gleichmäßiger Abstand zum Werkstück. Halten Sie die Pistole konstant im richtigen Abstand: bei HVLP-Becherpistolen etwa 10 bis 15 cm, bei konventionellen Pistolen eher 15 bis 20 cm. Wird der Abstand größer, trifft weniger Material auf und es entstehen helle Streifen; wird er kleiner, wird der Auftrag streifig dick.
- Pistole rechtwinklig führen – nicht wedeln. Die Pistole muss parallel zur Oberfläche geführt werden, immer im rechten Winkel. Das verbreitete „Wedeln“ aus dem Handgelenk im Bogen sorgt dafür, dass die Bahnenden zu trocken und die Bahnmitte zu nass werden – ein sicherer Weg zu Randstreifen.
- bis zu 50 Prozent Überlappung. Jede neue Bahn sollte die vorhergehende fast zur Hälfte überdecken. So gleicht die dünner werdende Fächerkante der einen Bahn die der nächsten aus, und es entsteht ein gleichmäßiger Film. Genau das Weglassen dieser Überlappung ist die häufigste Ursache für sichtbare Streifen.
- Gleichmäßige Geschwindigkeit. Bewegen Sie die Pistole zügig und gleichmäßig. Wer mitten in der Bahn langsamer wird, trägt dort mehr Material auf.
- Spritzbild vorher prüfen. Spritzen Sie vor dem Werkstück einen kurzen Stoß auf Karton oder Papier. Ein gutes Spritzbild ist gleichmäßig oval und gleichmäßig dicht. Zeigt sich schon hier ein zweigeteiltes oder einseitiges Bild, korrigieren Sie erst Technik und Einstellung – nicht das Werkstück.
Material richtig vorbereiten
Ein sauberes Spritzbild beginnt vor dem ersten Abdrücken. Stellen Sie die Viskosität mit einem Auslaufbecher (üblich ist der 4-mm-DIN-Becher) nach den Herstellerangaben ein, statt nach Gefühl zu verdünnen. Achten Sie auf die Temperatur: Material und Raum sollten bei etwa 20 °C liegen, denn kalter Lack ist zäher und zerstäubt schlechter. Und sieben Sie den Lack beim Einfüllen grundsätzlich durch ein Lacksieb – das hält Schmutz und Hautpartikel zurück, die sonst Düse und Filter zusetzen.
Schnelle Checkliste gegen Randstreifen
Wenn Streifen auftreten, gehen Sie diese Punkte der Reihe nach durch:
- Düse und Luftkappe sauber und unbeschädigt?
- Pistolenfilter frei?
- Viskosität korrekt eingestellt und Material auf Raumtemperatur?
- Zerstäuberluft nach Herstellervorgabe eingestellt?
- Abstand konstant und Pistole rechtwinklig geführt?
- Bahnen zu 50 Prozent überlappt?
- Spritzbild vorab auf Karton geprüft?
In den allermeisten Fällen finden Sie die Ursache schon in den ersten drei bis vier Punkten. Wer seine Pistole nach jedem Einsatz gründlich reinigt und sich vor dem Lackieren kurz Zeit für das Spritzbild nimmt, vermeidet Randstreifen fast vollständig – ganz gleich, ob auf Holz oder Metall.
Bei Fragen zu Düsen, Filtern, Reinigungsgeräten oder der passenden Pistole für Ihren Betrieb beraten wir Sie gern.
Häufige Fragen (FAQ)
Was ist der häufigste Grund für Randstreifen?
Bei Gelegenheitslackierern liegt es meist an der Pistolenführung – vor allem an fehlender 50-Prozent-Überlappung und ungleichmäßigem Abstand. Erst danach folgen gerätebedingte Ursachen wie eine verschmutzte Düse oder Luftkappe.
Wie erkenne ich, ob die Düse oder die Spritztechnik schuld ist?
Spritzen Sie zunächst ein Testbild auf Karton. Bleibt das Bild ungleichmäßig, drehen Sie die Luftkappe um 180 Grad: Wandert der Fehler mit, liegt es an der Kappe oder Düse. Bleibt das Testbild dagegen sauber, ist die Bahnführung die Ursache.
Welcher Abstand zum Werkstück ist richtig?
Als Faustwert gilt bei HVLP-Becherpistolen etwa 10 bis 15 cm und bei konventionellen Pistolen 15 bis 20 cm. Entscheidend ist, den Abstand über die gesamte Bahn konstant zu halten.
Hilft es, einfach den Druck zu erhöhen?
Nur begrenzt. Zu wenig Zerstäuberluft führt zu Streifen, zu viel jedoch zu Trockenspritzern und Overspray. Stellen Sie den Druck nach den Vorgaben von Pistole und Lackhersteller ein, statt voll aufzudrehen.
Sind Randstreifen auf Holz und Metall unterschiedlich?
Die Ursachen sind dieselben. Auf glatten, nicht saugenden Metalloberflächen – besonders bei glänzenden Decklacken – fallen Randstreifen aber deutlich stärker auf als auf saugendem Holz.



